Smile! Vom Umgang mit Emojis

#Emotionen

Vom Umgang mit Emojis

 

Von einem potenziellen Auftraggeber wurde ich vor einiger Zeit mit WhatsApp-Nachrichten überhäuft. Darin berichtete er mir, wie es ihm ging, was er gerade so machte und überhaupt. Er stellte allerlei überflüssige Fragen, die rein gar nichts mit unserer Zusammenarbeit zu tun hatten. Garniert waren diese Mitteilungen mit jeder Menge Emojis, hauptsächlich Herzchen-Smileys und roten (!) Herzen. 

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Old school, wie ich nun einmal bin, dachte ich mit gespielter Entrüstung: Um Himmels willen, was will der Typ von mir? Bis ich auf Social Media-Kanälen sah, dass dieser Mann grundsätzlich auf solche Art kommuniziert. Mit seiner Nichte, mit Kunden, mit seinem Friseur, seinen Boccia-Freunden und seiner dänischen Ferienhaus-Nachbarin. Meine gespielte Entrüstung wich einer gespielten Erleichterung. ;-) ;-) ;-) 

Nuancierung und Ironisierung

Von der ursprünglichen Idee, einer sprachlichen Botschaft, die man auf WhatsApp, Instagram, Twitter & Co. verschickt, mit Emojis eine Nuancierung oder gar Ironisierung hinzufügen zu können, ist nichts mehr übriggeblieben. Vielleicht war sie von Anfang an falsch. Oder ich habe sie von Anfang an falsch verstanden. Jedenfalls sehe ich immer nur entweder Emojis, die a) eine Verstärkung des Gesagten ausdrücken (Beispiele: ILY plus Kuss-Emoji oder "Ich hab mich so über sie aufgeregt" plus dunkelroter, wutschnaubender Smiley) oder b) einfach völlig irrsinnig und sinnfrei sind, bestenfalls so etwas wie „positive vibes“ rüberbringen sollen. Siehe oben. Warum brauchen wir sie dann aber überhaupt? Brauchen wir sie denn?

Eigentliche und uneigentliche Rede

Eugen Roth, Christian Morgenstern oder Joachim Ringelnatz konnten ihre – mal einfach nur lustigen, mal satirischen bis boshaft-sarkastischen – Botschaften völlig ohne Emojis an die Leserinnen und Leser bringen. Offenbar hatte man zu anderen Zeiten ein anderes, und zwar besseres und genaueres, Verständnis von "Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung". 

Jan Böhmermann hat – aktuell erneut in einer Diskussion mit Lothar Lanz – schon oft darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen eigentlicher und uneigentlicher Rede gibt. Dass er angesichts der Notwendigkeit, dies zu erklären, noch nicht verzweifelt ist, spricht für ihn. Die alte Kulturtechnik, eigentliche und uneigentliche Rede voneinander zu unterscheiden und beide in verschiedenen, jeweils passenden Kontexten zu verwenden, droht tatsächlich in Vergessenheit zu geraten.

Es wäre allerdings geheuchelt, würde ich behaupten, in meiner schriftlichen Kommunikation niemals Emojis zu verwenden. Vor allem, wenn ich den Adressaten oder die Adressatin für einen sensiblen und selbstkritischen Menschen halte, möchte ich vermeiden, dass eine ironische oder auch etwas freche Bemerkung jemanden „auf dem falschen Fuß erwischen“ könnte. Mit dem Zwinker-Emoji möchte ich dann ausdrücken, dass es nicht böse gemeint ist. Sondern nur super lustig – besser wäre es in solchen Momenten wahrscheinlich, auf eine mehr oder weniger witzige Idee zu verzichten. Oftmals ist man nämlich nur selbst von der unglaublichen Schlagfertigkeit und Pointiertheit derselben überzeugt.

Wovon man nicht reden kann, darüber soll man schweigen. Und was man mit Worten und Sätzen nicht ausdrücken kann, sollte man zumindest im geschäftlichen Kontakt nicht mit Emojis zu sagen versuchen. Wenn Sie es sprachlich schaffen ;-), dann verzichten Sie in Ihrer schriftlichen Kommunikation also am besten ganz auf Emojis.

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