Schöner gendern

#DerDieDas

Um es gleich vorwegzunehmen: In diesem Post wird es nicht um das Für und Wider des Genderns gehen, um die Frage, wie viel eine sogenannte geschlechtergerechte Sprache tatsächlich für das Projekt der Gleichberechtigung aller Geschlechter und Identitäten leisten kann. Dieser Beitrag dreht sich auch nicht um persönliche Stellungnahmen zum Feminismus, zur LGBTQ+-Bewegung oder zur Frage, welche Form des Genderns die größtmögliche digitale Barrierefreiheit garantiert.

Duden: „Fülle an Möglichkeiten“

Vielmehr möchten wir mit diesem Beitrag einige ganz pragmatische Hinweise zum Gendern in schriftlichen Texten geben, die Ihnen weiterhelfen, wenn bestimmte Vorgaben einzuhalten sind: sei es auf Ihrer Dienststelle, sei es beim Verfassen von E-Mails an Ihre Elternsprechgruppe, beim Texten eines Flyers für Ihr Unternehmen oder in einem Werbebrief. Gendern gehört mittlerweile zum Alltag, obwohl es dafür noch keine allgemein verbindlichen Regelungen gibt. Der Duden (28., völlig überarbeitete und erweiterte Ausgabe, August 2020) sagt dazu: „Das Deutsche bietet eine Fülle an Möglichkeiten, geschlechtergerecht zu formulieren. Es gibt dafür allerdings keine Norm.“ Über genau diese Fülle an Möglichkeiten wollen wir sprechen.

Als Redaktionsbüro sind wir in erster Linie Dienstleister und nicht Meinungsmacher. Wenn Kund:innen möchten, dass ein Text „durchgegendert“ wird, dann machen wir das. Vielleicht legen Auftraggeber:innen auch fest, ob sie lieber ein Gendersternchen oder einen Doppelpunkt verwenden möchten. In einem aber bleiben wir uns treu: Wir lieben lesefreundliche, verständliche, leicht zugängliche und dabei ästhetische Sprache. Darum machen wir auch gerne Vorschläge, wie man jenseits von Sternchen, Doppelpunkt und Passivkonstruktionen schöne Möglichkeiten findet, allen Geschlechtern und Identitäten sprachlich gerecht zu werden.

Es gibt immer eine Lösung

Ein gutes Zitat dazu findet sich auf einer empfehlenswerten Seite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Gendern: Pro und Contra - Die Debatte im Überblick (lpb-bw.de)

Dort heißt es:

„Wer geschlechtersensibel schreiben und sprechen möchte, findet immer eine angemessene Lösung. Es gibt sehr viele Gendertechniken, die bei der Verwendung nicht einmal als bewusstes Gendern erkannt werden.“

Geschickte Gendertechniken

Zu diesen Techniken gehören beispielsweise:

  • die mittlerweile weit verbreitete und nahezu selbstverständliche Nennung von männlicher und weiblicher Form, also „liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Hier sind allerdings Menschen ausgeschlossen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen, weshalb dann doch wieder der Doppelpunkt oder das Gendersternchen ins Spiel kommen: „Liebe Mitbürger*innen“, „liebe Mitbürger:innen“.

 

  • die Verwendung geschlechterneutraler Pluralformen, wo es möglich ist. Beispiel: „Angestellte“ (anstelle von „Arbeitnehmer:innen“ oder „Mitarbeiter*innen“), „Reisende“ (anstelle von „Tourist:innen“ oder „Urlauber*innen), „Literaturinteressierte“ (anstelle von „Literaturfreund:innen“ oder „Leser*innen“)

 

  • die Verwendung neutraler Begriffe anstelle geschlechterspezifischer Bezeichnungen. Beispiel: „Lehrkraft“ (anstelle von „Lehrer:in“), „ärztliches Personal“ (anstelle von „Ärzt*innen), „Grafikbüro“ (anstelle von „Grafiker:innen“ oder „Layouter*innen“), „Team“ (anstelle von „Kolleg:innen“)

 

  • die abwechselnde Nennung von männlicher und weiblicher Form: „Wir möchten allen Textern und Autorinnen ein Forum bieten, um sich über Fragen des angemessenen Genderns auszutauschen.“

       

  • geschicktes Umformulieren. Beispiel: „Wer teilnehmen möchte, wendet sich bitte an …“ (anstelle von „Teilnehmer und Teilnehmerinnen wenden sich bitte an …“)

 

Dies sind nur ein paar Beispiele für Möglichkeiten, gendergerecht zu schreiben, ohne den Lesefluss zu behindern. Weitere Ideen finden sich auf der umfangreichen Seite https://geschicktgendern.de/, die auch ein alphabetisches Register mit maskulinen Formen und entsprechenden Ersatzvorschlägen anbietet.

Wir beraten Sie ausführlich zu diesem Thema, das deutlich komplexer ist, als es an dieser Stelle dargestellt werden kann. Gerne gehen wir Ihren Text gemeinsam durch und finden Lösungen, die allen Angesprochenen gerecht werden.

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