Keine Angst vor Fehlern!

#Mut zur Lücke

Keine Angst vor Fehlern!

Mehr als jeder korrekte Satz, jedes fehlerfrei geschriebene Wort und jede richtig platzierte Redewendung holen uns Sprachschnitzer und charmante Verwechslungen aus unserer Geistesabwesenheit. Sie bringen uns nicht nur zum Lachen, sondern oft genug auch zum Nachdenken über Sprache und ihre Stolpersteine.

Unermütlich im Einsatz“ sei er, teilt ein Berliner Malermeister auf seinem Transporter mit. Tatsächlich braucht man Mut, um so manches Haus in der Hauptstadt zu betreten, so manchen Keller zu durchkriechen und so manche Küche mit Herd und Spüle aus Vorkriegszeiten klarzumachen. Davon, so suggeriert das falsche ‚t‘, lässt sich dieser Handwerker nicht einschüchtern. Manchmal sind Fehler unerwartet vielsagend. Sie weisen auf etwas hin, geben dem eigentlich Gemeinten einen überraschenden Akzent und enthüllen eine neue Bedeutungsvariante.

Von Mietnormannen und Parabolla-Reis

So meinte eine Vermieterin einmal vertrauensvoll, ich wäre sicher nicht so wie diese Mietnormannen. Die wären ihre schlimmste Angst. Das verstand ich. Normannen, die fremde Wohnungen belagern, erobern, verwüsten und verbrannte Erde respektive zerkratztes Parkett hinterlassen. Genau betrachtet, passt dieser Ausdruck viel besser als der gemeinte: Mietnomaden. Schließlich sind Nomaden meist friedlich, lassen keinen Müll zurück und bauen ordentlich ihre Zelte ab, ehe sie zur nächsten Lagerstatt ziehen.

Im Aldi-Markt nach dem Reisregal befragt, teilte mir ein Verkäufer mit, er hätte nur den Parabolla-Reis, und der stände da drüben. Aus dem langweiligen „parboiled“, also vorgegartem und aller gesunden Nährstoffe beraubtem Reis im Kochbeutel, wurde auf einmal ein unverzichtbarer Hauptbestandteil der mediterranen Küche. Seitdem kommt mir kein Risotto mehr ohne echten Parabolla von Aldi auf den Tisch.

Überraschende Assoziationen

„Ich bin da am Nabel der Zeit“, versicherte mir ein attraktiver Mann in Bezug auf sein ständig aktualisiertes Fachwissen zu einem gänzlich unerotischen Thema. Das wirkte auf mich so bezaubernd, dass mir der eigentlich zugehörige Puls schneller schlug. Googelt man „Nabel der Zeit“, so findet man diesen Fehler recht häufig. Eine Verwechslung mit dem besser lokalisierbaren und korrekten Nabel der Welt – der je nach Betrachtungsweise in Tokio oder Süderbrarup liegen kann – scheint der naheliegende Grund. Doch die Häufigkeit dieser Verwechslung könnte auch damit zu tun haben, dass wir den Nabel als eine Art sensorisches Zentrum betrachten, als Körperteil, der mit Bauch und „Bauchgefühl“ verbunden ist. So kann er vielleicht noch besser als der Puls, ein reiner Taktgeber, ein Kompass für die Richtung sein, aus der Trends und Zeitströmungen kommen.

Zum Schluss noch ein Beispiel, wie es so vielleicht nur in Berlin gehört werden kann: Eine alte Dame erzählte mir auf der Fähre von Wannsee nach Kladow von ihren Geburtstagsplänen. Sie wolle mit ihrer Freundin in eine Transvisiten-Show gehen. Ich konnte ihr nur viel Vergnügen wünschen. Das wird bestimmt ein toller Besuch!

Bildquelle: Wolfgang Claussen|pixabay